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Wasserfarbenbild des jungen Utz Baitinger des im Beitrag geschilderten Volltreffers auf Nachbars Garage - gemalt kurz nach dem Krieg aus dem Gedächtnis.
Utz Gernot Baitinger führt und ent-führt unsere Leser in der Reihe „Zeitreise ins Damals“ mit Anekdoten, kleinen Geschichten und persönlichen Erinnerungen regelmäßig in längst vergangene Zeiten und Orte des Fleckens.
Im 6. Teil erzählt Prof. Dr.-Ing. Utz Baitinger eindrücklich vom Höhepunkt des Bombenkriegs, der 1944 auch Feuerbach mit voller Wucht traf - vom Gefühl des Ausgeliefertseins im Schutzkeller während der Angriffe... und davon, wie die Garage seines Nachbarn einen Volltreffer abbekam, das eigene Haus jedoch dank eines Blindgängers verschont geblieben ist.
Von Utz Baitinger
Auf dem Höhepunkt des Bombenkriegs 1944 mussten wir die Nacht mal wieder im Keller unseres Hauses verbringen. Es lag unweit des Feuerbacher Stammwerks der Firma Bosch, einem erklärten Angriffsziel der alliierten Bomberflotten.
Ich war damals sechs Jahre alt, mein Bruder noch keine drei. Wir erlebten ein nervenzerfetzendes Wechselbad aus bangem Warten und ohrenbetäubendem Pfeifen und Krachen, stundenlang. Obwohl unsere Mutter bei uns war, begann ich vor Angst zu zittern. Im größten Getöse wollte mein kleiner Bruder mich trösten: „Du brauchst nicht so zu zittern, das sind nur die Bomben.“
Gegen Morgen, als der Angriff vorbei zu sein schien, stiegen wir aus dem Keller nach oben und versammelten uns vor der Haustür. Die Garage unseres Nachbarn, in der er sein Lastwagengespann untergestellt hatte, brannte lichterloh! Die Hitze, die zu uns herüberstrahlte, brachte unsere Gesichter zum Glühen. Doch wir hielten stand, das Schauspiel war zu faszinierend.
Tags darauf lag in unserem Garten hinter dem Haus ein Blindgänger. Etwas später kamen zwei Männer, besahen ihn, betasteten ihn und schraubten den Zünder heraus. Wir Kinder standen im Halbkreis daneben und sahen zu. Einerseits waren wir froh, dass die Bombe nicht funktioniert hatte, andererseits sammelten wir ganz gern frische Bombensplitter.
Die Angst der Nacht war verflogen, so wie sie während des Bombenangriffs über uns gekommen war. In der Angst will man die Bedrohung abwehren oder ihr entfliehen. Diese Wahl hatten wir im Bombenhagel nicht. Wir saßen im Luftschutzkeller in der Falle, hilflos der Bedrohung ausgeliefert.
Zum Autor
Prof. Dr.-Ing Utz Gernot Baitinger wurde 1938 in Stuttgart geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Feuerbach, über die er noch immer gerne berichtet. Nach dem Abitur in Frankfurt/Main studierte er Elektrotechnik an der Universität Stuttgart, wo er am Institut für Halbleitertechnik zum Dr.-Ing. promoviert wurde. Er arbeitete als Chief Scientist bei IBM in Böblingen, Zürich, Nizza, Paris und New York. Er war maßgeblich beteiligt an technischen Innovationen, wie den ersten Speicher-Chips und Mikroprozessoren, die unsere heutigen Handys, Tablets und das Internet erst ermöglicht haben. Er wurde von der Fakultät Elektrotechnik der Universität Karlsruhe und von der Fakultät Informatik der Universität Stuttgart zum Professor berufen. In Zusammenarbeit mit IBM gestaltete er den pädagogisch unterhaltsamen Spielfilm „Der größte und langsamste Computer der Welt“.