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Die Jobst’sche Chinin-Fabrik in einer Ansicht aus dem Jahr 1865 in der heutigen Tunnelstraße. Am rechten Rand kann man den nahen Feuerbacher Bahnhof erahnen. Heute wäre auf diesem Bild nur noch ein Häusermeer zu sehen. (Bild: Archiv Rieker)
1864 war für Feuerbach ein entscheidendes Jahr. Damals begann mit der Firma "Fridr. Jobst", die die Chemikalie Chinin produzierte und damit bald schon zum Weltmarktführer aufstieg, die Ära der Industrialisierung, die das bislang eher verschlafene Wengerter-Städtle ruckartig in die Moderne katapultierte.
In Teil 17 aus unserer Reihe "Geschichten aus der Geschichte Feuerbachs" wirft der Feuerbacher Historiker und Buchautor Jürgen Kaiser im Rahmen des 950-jährigen Jubiläumsjahres wieder ein Licht auf die Historie Feuerbachs - diesmal auf die Zeit der Industrialisierung von Feuerbach.
Am 15. April 1864 wurde die erste Dampfmaschine in der ersten Fabrik Feuerbachs zum ersten Mal angeheizt. Die Firma „Fridr. Jobst“ begann mit der Produktion von Chinin und wurde schon bald zum Weltmarktführer in der chemischen Herstellung dieser Chemikalie gegen die Tropenkrankheit Malaria. An der Tunnelstraße (heute Drogeriemarkt Rossmann) begann die Produktion. Die Nähe zum Bahnhof war gewollt, gingen die Produkte doch in den Export. Die Feuerbacher ließen sich von der Fabrik nicht beeindrucken und keiner wollte dort arbeiten. So fand Fabrikant Jobst seine ersten Arbeiter in Weilimdorf, die jeden Tag zu Fuß zur Arbeit kamen. 1865 meldete sich der erste Feuerbacher und wurde als Heizer an der Dampfmaschine angestellt. Er war von Arbeit und Bezahlung angetan, erzählte das in den Wirtschaften des Dorfes und so freundeten sich die Feuerbacher mit der Industrialisierung an. Bis 1913 gab es 128 Unternehmen in Feuerbach. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte Feuerbach mehr Arbeitsplätze als Einwohner und war durch die Einnahmen der Gewerbesteuer die reichste Gemeinde in Württemberg.
Von Jürgen Kaiser
(Fortsetzung folgt)
Hinweis: wer mehr wissen will, dem sei das Buch „Feuerbach“ von Jörg Kurz empfohlen. Erschienen im Hampp-Verlag und unter der ISBN erhältlich: ISBN 978-3-942561-06-8
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