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Der Feuerbacher Oberbürgermeister (ja, Sie haben richtig gelesen - damals war Feuerbach nämlich eine eigenständige Stadt...) Wilhelm Geiger an seinem Arbeitsplatz im Feuerbacher Rathaus im Jahr 1909. (Bild: Archiv Rieker)
Manchmal reicht ein einzelner mit genügend 'Verve', um eine ganze Stadt in ihrer Entwicklung so weit nach vorne zu pushen, wie es in 500 Jahren zuvor nicht passiert ist - wie etwa Wilhelm Geiger, der für die Feuerbacher Geschichte wohl eine der einflussreichsten Persönlichkeiten ever gewesen sein dürfte.
Im letzten Teil (Nr. 18) aus unserer Reihe "Geschichten aus der Geschichte Feuerbachs" wirft der Feuerbacher Historiker und Buchautor Jürgen Kaiser im Rahmen des 950-jährigen Jubiläumsjahres ein letztes Mal ein Licht auf die Historie Feuerbachs. Diesmal auf jene Feuerbacher Persönlichkeit, die die Industrialisierung des Fleckens zwar nicht eingeleitet hat, ihr aber zu Anfang des 20. Jahrhunderts durch eine beispiellose Politik der Weitsicht, des Mutes - und auch ein bisschen der Chuzpe - zu einem beispiellosen Wachstumsschub verhalf, von dem nicht nur der gesamte Flecken, sondern die gesamte Region bis heute zehrt.
Die Rede ist von Wilhelm Geiger.
1893 kam Wilhelm Geiger (1869-1940) ins Feuerbacher Rathaus und wurde Assistent von Schultheiß Dieterle. Damals waren die Bürgermeister noch auf Lebenszeit gewählt, Dieterle aber war krank und so musste schon bald Geiger in Vertretung die Amtsgeschäfte übernehmen. Was er so gut tat, dass er 1900 zum Bürgermeister gewählt wurde.
Geiger hatte eine Vision von der Industrialisierung Feuerbachs und so kaufte er für die Gemeinde jedes Grundstück auf, um für Fabriken Flächen zu bekommen. Als einer der Ersten war im klar, dass erfolgreiche Firmen im Stuttgarter Kessel keine Expansionsmöglichkeiten haben. Sie müssen aus dem Kessel raus und gewinnen wird die Stadt, die dann bezahlbares Land anbieten kann. Auch wenn der Gemeinderat das oft anders sah, setzte er sich durch. So war schließlich Feuerbach die einzige Gemeinde in der Neckarregion, die zusammenhängende Flächen anbieten konnte. Die Industrie griff zu.
Wilhelm Geiger lächelte immer. So war sein Spitzname – natürlich hinter seinem Rücken: „Herr Lächele“.
1907 wurde Feuerbach zur Stadt erhoben. Wilhelm Geiger ihr erster und einziger Oberbürgermeister. Die Nazis zwangen ihn 1933 nachts zurückzutreten.
Von Jürgen Kaiser
Damit endet die Serie "950 Jahre Feuerbach.
Hinweis: wer mehr wissen will, dem sei das Buch „Feuerbach“ von Jörg Kurz empfohlen. Erschienen im Hampp-Verlag und unter der ISBN erhältlich: ISBN 978-3-942561-06-8
Hier geht's zur Reihe GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE FEUERBACHS mit weiteren interessanten "Stories zur History" Feuerbachs!