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Die Gebrüder Utz und Jens Baitinger in einem Ölgemälde der Feuerbacher Malerin Johanna Koch aus dem Jahr 1944.
Utz Gernot Baitinger führt und ent-führt unsere Leser in der Reihe „Zeitreise ins Damals“ mit Anekdoten, kleinen Geschichten und persönlichen Erinnerungen regelmäßig in längst vergangene Zeiten und Orte des Fleckens.
Diesmal geht es um den Bau eines Stollens im Feuerbacher "Hausberg", dem Lemberg, während der Luftangriffe auf Stuttgart im 2. Weltkrieg. Kaum einer weiß heute noch, daß da, wo idyllische Weinberge den Stolz der heutigen Feuerbacher Winzer in die Höhe sprießen lassen und vor 3000 Jahren die Kelten eine "Fluchtburg" errichteten, während der letzten beiden Kriegsjahre viele Feuerbacher dort Schutz für ihr nacktes Überleben suchten. Dieser Schutz war vielen, die im immer unerbittlicher werdenden Bombenkrieg der letzten Kriegsjahre ausgebombt wurden, abhanden gekommen. Deshalb fing man an, mit dem, was man hatte, einfache Stollen in die umliegenden Hügel zu treiben - und das nach einem ebenso simplen wie gnadenlosen Prinzip: Nur die, die beim Graben mitarbeiteten, durften dort Schutz genießen.
Im 8. Teil der Reihe erzählt Prof. Dr.-Ing. Utz Baitinger eindrücklich von Episoden aus der dunkelsten Zeit des Bombenkriegs, der immer mehr auch Feuerbach mit voller Wucht traf - und wie er als Kind trotzdem lichte und hoffnungsvolle Momente inmitten der Zerstörung und Angst für sich entdeckte.
Als die Bomberflotten 1944 immer häufiger über uns kamen, trieb man in Feuerbach auch am Lemberg einen Stollen in den Hang. Man sagte, nur wer beim Bau des Stollens mitarbeite, erhalte das Recht, dort Schutz vor den Bomben zu suchen. Ich konnte kaum glauben, was ich sah: meine Mutter ratterte mit dem "Boschhammer" und brach damit ganze Klumpen aus dem Erdreich. Als der Stollen immer tiefer wurde, stieß man auf Grundwasser. Mir war völlig neu, dass es unter der Erde Wasser gibt. Weil die Pfützen immer größer und tiefer wurden, brachte mein Großvater aus seiner Küferwerkstatt säckeweise Sägemehl und Hobelspäne, um das Wasser aufzusaugen.
Als die Menschen den Stollen fertiggestellt hatten, eilten wir alle, wenn die Sirenen „Luftalarm“ heulten, zu Fuß zum Lemberg, meist mitten in der Nacht, um Schutz zu finden. Bis dahin hatten wir während der Angriffe im Keller unseres Hauses gesessen unter dem scheußlichen Pfeifen, Heulen und Krachen der auf uns niedersausenden Bomben. Im Stollen aber hörte man das nicht. Mich freute sogar, dass wir dort die Großeltern antreffen konnten, die unweit des Stollens wohnten.
Solange wir vor dem Stolleneingang auf einen der Angriffe warteten, die inzwischen zu meinem Leben gehörten, funkelte über uns der Sternenhimmel. Es faszinierte mich, dass ich in den ungezählten Sternen Muster erkannte - Sternbilder - und dass alle Menschen dieselben Sternbilder zu sehen glaubten. Bis heute kenne ich von vielen die Namen - den Orion, die Plejaden - und die Namen der besonders hellen Sterne, die mir meine Mutter zeigte und benannte.
Während wir dann besorgt und verunsichert im Stollen saßen, hantierte neben uns die noch heute bekannte Kunstmalerin Johanna Koch mit Stift und Skizzenblock. Sie sprach uns an, und so kam es, dass sie wenig später in ihrem Atelier in der Halleiner Str. 6 in Feuerbach das hier wiedergegebene Ölgemälde schuf, das meinen jüngeren Bruder und mich im damals üblichen Malstil zeigt. Seit jener bedrohlichen Zeit schätze ich die stille und geduldige Kraft der Malerei.
Von Utz Baitinger
Die alliierte Luftkriegsführung verfolgte in Stuttgart klare primäre Ziele (große Industriewerke, Verkehrsknoten). Historische Quellen zeigen, dass Bosch- und Daimler-Werke oft Ziel von Angriffen waren. Viele Bomben fielen jedoch in groß angelegten, teilweise flächigen Angriffen, bei denen Treffer auf zivile oder nachbarschaftliche Gebäude (Schulen, Wohnhäuser) häufig und teils ungewollt waren. Daraus lässt sich schlussfolgern: Wahrscheinlich waren Industrieanlagen (z. B. Bosch) das beabsichtigte Ziel; Schulen und andere Gebäude in der Nähe konnten dabei getroffen werden — meist als Folge der Streuung/Unschärfe bei Luftangriffen, nicht weil die Piloten gezielt die Schule anflogen.
Bombardement:
Die erste Angriffsserie vom Juli 1944 begann am 25. Juli und endete am 29. Juli 1944. Das Zielgebiet der Angriffe auf Stuttgart stellte im Wesentlichen das dichtbesiedelte Stadtzentrum in der Talkessellage – insbesondere die mittelalterliche Altstadt – dar. Das Bombardement lief meist wie folgt ab: Zuerst wurden tausende Sprengbomben sowie mehrere hundert Luftminen abgeworfen. Durch die Druckwellen der Explosionen wurden die Dächer aufgerissen. Danach wurden tausende Elektron-Thermitstäbe über dem Zielgebiet abgeworfen, die durch die die aufgerissen Dachstühle auf die (meist hölzernen) Dachböden der Häuser fielen und diese in kurzer Zeit in Brand setzten. Viele brennende Dachstühle in Häuserreihen wurden schnell zu Großbränden; hinunterfallende brennende Dachstuhlbalken setzten auch Stockwerke darunter und Treppenhäuser mit Holztreppen in Brand. Ob sich so ein Feuersturm entwickelt, hängt insbesondere von der Gesamtwetterlage und der Windrichtung ab. Bei der ersten Angriffsserie gelang es den Angreifern nicht, einen Feuersturm zu verursachen, um die Wirkung der Bomben zu multiplizieren. Sie warfen bei dieser ersten Serie rund 5200 Sprengbomben und fast 70.000 Brandbomben über Stuttgart ab.[4] Dies gelang erst beim Großangriff am 12. September 1944. In dieser Nacht zwischen 22:59 und 23:30 Uhr warf die britische No. 5 Bomber Group 75 Luftminen, 4300 Sprengbomben und 180.000 Elektron-Thermitstäbe über einem schmalen Areal im Gebiet der Gegend um die Hegel-, Hölderlin- und Schwabstraße sehr zielgenau ab. Das so verursachte Großfeuer breitete sich in hoher Geschwindigkeit aus und wurde zu einem Feuersturm. Dieser vernichtete ein fünf Quadratkilometer großes Stadtgebiet im Stuttgarter Talkessel.
(Quelle: Wikipedia)
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