'ZEITREISE INS DAMALS' – EIN ALTER FEUERBÄCHER ERINNERT SICH; TEIL 11:

Soupe à la française

Ab April 1945 war in der Feuerbacher Festhalle ein Lazarett für französische Soldaten eingerichtet. Foto: Archiv Rieker Bild 1 von 1: Ab April 1945 war in der Feuerbacher Festhalle ein Lazarett für französische Soldaten eingerichtet. Foto: Archiv Rieker

Utz Gernot Baitinger führt und entführt unsere Leser in der Reihe „Zeitreise ins Damals“ mit Anekdoten, kleinen Geschichten und persönlichen Erinnerungen regelmäßig in längst vergangene Zeiten und Orte des Fleckens.

Ab April 1945 war Feuerbach von den Franzosen besetzt und es herrschte endlich Frieden, auch wenn es bis zum endgültigen Kriegsende in Europa noch bis zum 8. Mai dauern sollte. "Alles überstanden", könnte man versucht sein zu denken, doch nun suchten neue Geißeln die verbliebenen Bewohner heim - allen voran der Hunger. In der Feuerbacher Festhalle hatten die Franzosen ein Lazarett für ihre verletzten Soldaten eingerichtet - inklusive Feldküche. Diese war zwar nicht für die Feuerbacher gedacht, doch wenn deren Kinder mit einem Becher oder Teller vorbeikamen, gab man ihnen immer etwas zu essen mit. Eines dieser Kinder war unser Autor.

Im 10. Teil der Reihe erzählt der Feuerbacher Prof. Dr.-Ing. Utz Baitinger von seinen Erinnerungen an die Zeit direkt nach der "Stunde Null" in Feuerbach 1945.


Soupe à la française

Es war eigentlich noch Krieg, Ende April 1945, aber Feuerbach war schon von französischen Truppen besetzt. Unser Bäcker backte in seiner Backstube schräg gegenüber weiter fleißig seine Brote, solange er noch Mehl hatte, und als das Mehl zur Neige ging, streckte er es mit Kartoffelpulver. Bald aber hatte er gar kein Mehl mehr. Auf unserem Küchentisch lag der letzte Brotlaib, ein feldgraues Kommissbrot, und unsere Mutter sagte wie selbstverständlich: „Das muss reichen für unser ganzes Leben.“ Wir Kinder hörten es mit leisem Schaudern.
Wir wohnten in einem ganz kurzen Sträßchen, das an der Bismarckschule entlang direkt auf die Feuerbacher Festhalle zuführte. Dort richteten die Franzosen ein Lazarett ein für ihre verwundeten Kameraden. Die kranken Soldaten wollten aber nicht nur rauchen, sie wollten auch essen. Deshalb standen vor der Festhalle drei große Kessel, in denen drei französische Feldköche die heiße Suppe umrührten.
Es ging wie ein Lauffeuer durch Feuerbach, dass auch wir Kinder dort etwas zu essen bekommen könnten. Unsere Mutter gab mir und meinem kleinen Bruder zwei kleine emaillierte Metallkübelchen mit Henkel und zwei Löffel mit. Wir rannten im Rudel mit vielen Nachbarskindern hin. Tatsächlich: die französischen Soldaten schöpften jedem Kind eine Kelle voll Suppe in sein Kübelchen.

Wir waren nicht gierig oder ungeduldig, es war uns nicht peinlich und wir kamen uns nicht ausgehungert vor, obwohl wir es waren. Wir fanden es einfach spaßig und spannend, dass etwas los war.
Die Suppe schmeckte anders als zuhause, aber sie tat gut.

Von Utz Baitinger



Hier geht's zur Reihe "Zeitreise ins Damals" mit weiteren Erinnerungen & Anekdoten aus dem alten Flecken von Utz Gernot Baitinger

Veröffentlicht am 13.03.2026