Es wäre schon sowas wie eine Sensation:

Kommt der „Lemberger“ vom Feuerbacher Lemberg?

Luftaufnahme vom Feuerbacher Lemberg mit Korntal und Zuffenhausen im Hintergrund aus dem ersten Corona-Jahr 2020, als der Feuerbacher Winzer Fabian Rajtschan - auch ein bisschen als Zeichen der Hoffnung - die originelle Idee hatte, dem Berg eine '70469'-'Geoglyphe' zu verpassen. Foto: 70469 Rajtschan Bild 1 von 1: Luftaufnahme vom Feuerbacher Lemberg mit Korntal und Zuffenhausen im Hintergrund aus dem ersten Corona-Jahr 2020, als der Feuerbacher Winzer Fabian Rajtschan - auch ein bisschen als Zeichen der Hoffnung - die originelle Idee hatte, dem Berg eine '70469'-'Geoglyphe' zu verpassen. Foto: 70469 Rajtschan

Kann sich unser Feuerbacher Lemberg bald in die Liste erlesener Weinregionen wie Rioja, Bordeaux oder Châteauneuf-du-Pape einreihen? Lokalhistoriker Jürgen Kaiser hat Grund, dies tatsächlich anzunehmen.

Wir alle kennen die üppige Vielfalt an Weinsorten aus Fachhandel, Restaurant oder der Weinstube. Im Südwesten Deutschlands zählt insbesondere auch der Lemberger zu den beliebten Weinen, auch wenn er international noch als Geheimtipp gilt.

Die Namen der Weine und deren Historie sind dabei eine regelrechte Wissenschaft für sich und ähnlich verästelt wie die gesamte Geschichte der Regionen und der Ereignisse, aus denen denen sie hervorgegangen sind.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Herkunftsbezeichnungen/Appellationen und reinen Rebsorten.
Während die Appellation den Herkunftsort des Weins bezeichnet (z.B. Bordeaux, Rioja oder das edle Châteauneuf-du-Pape), bezeichnet die Rebsorte eine einzelne Traubensorte. Die Appellation bezeichnet also das Gesamtprodukt, das in den jeweiligen Gebieten aus den einzelnen Traubensorten angebaut, miteinander gemischt und verschnitten wird. So ist beispielsweise der Bordeaux zumeist eine „Mischung“ aus den Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc.

Weine aus nur einer einzigen Rebsorte dagegen sind etwa der Riesling, der Pinot Noir (Spätburgunder) oder der Cabernet Sauvignon, die wichtigste Rebsorte der Welt.

Dabei rühren die Namen der Weine einerseits von Personen (Müller-Thurgau) oder Eigenschaften („Riesling“ von „rieseln“) her, andererseits - und zwar noch viel häufiger - von ihrem Herkunftsort oder -gebiet.
Auch der Lemberger zählt mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu. Er ist ebenfalls ein reiner "Rebsortenwein", gilt ausserhalb der Grenzen von Deutschland, Österreich und Ungarn allerdings eher als Kennerwein, Spezialität Mitteleuropas und Geheimtipp. Dennoch bauen ihn mittlerweile auch schon Winzer ausserhalb Mitteleuropas an, wie in Washington State, da er winterhart ist, gut mit kühleren Bedingungen klarkommt und interessante, würzige Rotweine ein wenig „abseits des Mainstreams“ liefert.


Der Feuerbacher Buchautor und Lokalhistoriker Jürgen Kaiser ist immer auf der Suche nach interessanten und spannenden Geschichten, die mit dem Flecken (und darüber hinaus) zu tun haben. Er ist dabei vor kurzem über die nicht zu übersehende Ähnlichkeit des Namens dieses besonderen Weins mit dem unseres Feuerbacher Hausbergs 'gestolpert' und hat sich gefragt, ob es da nicht vielleicht eine Verbindung geben könnte, immerhin ist der Lemberg ein sehr altes historisches Weinbauareal.
Und tatsächlich stiess er auf eine bisher wenig beachtete Hypothese eines namhaften Österreichischen Weinbauingineurs, die den (Feuerbacher) Lemberg als Namensgeber der gesamten Rebsorte realistisch ins Spiel bringt und diese These gar nicht so unwahrscheinlich erscheinen lässt.

In einem kleinen Essay stellt Jürgen Kaiser seine Ergebnisse und Schlussfolgerungen hier bei uns vor:


Wie der Lemberger zu seinem Namen gekommen sein könnte...


In Österreich heißt er „Blaufränkisch“, in Ungarn „Kékfrankos“ und in Württemberg „Lemberger“. Der schwere Wein hat sogar einen schwäbischen Spitznamen: „Witwenmacher“. Gehaltvoll, dunkel, süffig – im Herbst im Gasthaus getrunken in fröhlicher Runde, dann hinaus in die kalte Luft. Schon mancher ist umgefallen. So kam er zu seinem Spitznamen.

Der österreichische Ingenieur Johannes Friedberger will nun herausgefunden haben, woher der Lemberger seinen Namen bekam: vom Lemberg in Feuerbach! 2022 hat er in Klosterneuburg eine Geschichte der Namensgebung der Rebsorte Blaufränkisch veröffentlicht und ist dabei auf Feuerbach gestoßen.

Die Feuerbacher Weinberge gehörten im Mittelalter den Klöstern Hirsau und Bebenhausen. Von dort gingen sie an die Uni Tübingen über und Teile davon an die Hofkammer der Württemberger. Als König Wilhelm I einen rückständigen Agrarstaat übernahm, gründete er mit Königin Katharina nicht nur die Landwirtschaftliche Hochschule Hohenheim, sondern befahl auch, Musterweingärten anzulegen, um neue, edle Weinsorten auszuprobieren.

Dazu gehörten auch Weinberge in Feuerbach am Lemberg. Dort wurde die Rebsorte „Blaufränkisch“ angebaut. Mit solchem Erfolg - so der Österreicher Friedberger 2022 -, dass der Name der Lage auf die Traube überging!



Von Jürgen Kaiser


INFO:

Als Quelle seiner Ergebnisse zu der Frage, woher der Blaufränkische/Lemberger kam, diente Kaiser die Abhandlung des österreichischen Weinbauingenieurs Johannes Friedberger aus Klosterneuburg aus dem Jahr 2022. Interessierte können diese spannende Forschungsarbeit in aller Ausführlichkeit hier nachlesen (Seiten 17 - 20): https://www.der-winzer.at/content/dam/wein-und-obst/der-winzer/de/web/fachartikel/friedberger_rotweine_1/Historia_Franconia_Friedberger.pdf

Veröffentlicht am 22.05.2026