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Das Rathaus zu Feuerbach im Jahr 1953. Foto: Utz Baitinger
Utz Gernot Baitinger führt und entführt unsere Leser in der Reihe „Zeitreise ins Damals“ mit Anekdoten, kleinen Geschichten und persönlichen Erinnerungen regelmäßig in längst vergangene Zeiten und Orte des Fleckens.
Ab April 1945 wurde Feuerbach zuerst von den Franzosen besetzt, allerdings nur wenige Wochen lang. Dann kamen auch schon die Amerikaner. Die blieben - und zeigten den vom Krieg traumatisierten Menschen erstmals sowas wie ein freundliches Gesicht - etwa indem sie kleine Geschenke verteilten, die eigentlich für die örtlichen Kinder gedacht waren. Leider hat unser Autor - damals selbst Kind - davon erstmal nicht allzuviel gesehen...
Im 13. Teil der Reihe erzählt der Feuerbacher Prof. Dr.-Ing. Utz Baitinger von seinen Erinnerungen an die Zeit direkt nach der "Stunde Null" in Feuerbach im Jahr 1945.
Wenige Wochen nach ihrem Einmarsch in Feuerbach Ende April 1945 waren die Franzosen schon wieder weg; stattdessen waren jetzt die Amerikaner da. Auf dem Schulhof der Bismarckschule war ein Trupp angetreten. Wir Kinder liefen hin, um sie zu sehen. Baumlange Kerle, stillgestanden!, und mit schwarzen Gesichtern, wie wir sie nur von Bildern kannten. Aber die waren echt! Und gleich so viele! Und so große! Nach dieser aufregenden Begegnung rannten wir davon.
Wenig später hieß es, ein amerikanisches Flugzeug werde am nächsten Tag über dem Platz vor dem Feuerbacher Rathaus (den heutigen Wilhelm-Geiger-Platz) Teddybären abwerfen, für uns Kinder. Das war nicht weit, ich musste unseren Häuserblock nur zur Hälfte umrunden und schon war ich da. Zu meiner Überraschung war der Platz schon voller Menschen. Aber das waren keine Kinder, da drängten sich Erwachsene. Große, starke Männer! Ich stand eingekeilt zwischen ihnen, ein kleines Kerlchen, ich konnte kaum den Himmel sehen. Wenn sie Zigaretten abgeworfen hätten, dann hätte ich das Gedränge der Männer noch verstanden. Aber Teddybären?
Nach einigem Warten hörten wir das Brummen eines Flugzeugs, immer lauter und lauter, und da brauste es auch schon über uns hinweg. Hinten, in der geöffneten Luke am Heck, stand eine Gestalt und schaufelte tatsächlich Teddybären hinaus. Hunderte, vielleicht tausende kleine Bären! Sie flogen wie ein Vogelschwarm aus dem Flugzeug heraus, der Wind erfasste sie und die ganze Wolke trieb ab, ausgerechnet in Richtung unseres Gartens. Auf dem Platz vor dem Rathaus und der wartenden Menschenmenge landete keiner.
Da rannten die großen, starken Männer los, durch die Höfe, über die Zäune, direkt in unseren Garten. Ich, das kleine, schmächtige Kerlchen, musste außen herumrennen. Bis ich in unseren Garten kam, hatten die Männer schon alles niedergetrampelt. Ich sah gerade noch, wie die letzten von ihnen die letzten Teddybären aufsammelten, dann waren sie weg.
Wäre ich zuhause geblieben, wären mir die Teddybären alle in die Arme geflogen. So aber blieb mir kein einziger.
Von Utz Baitinger
Hier geht's zur Reihe "Zeitreise ins Damals" mit weiteren Erinnerungen & Anekdoten aus dem alten Flecken von Utz Gernot Baitinger