'ZEITREISE INS DAMALS' – EIN ALTER FEUERBÄCHER ERINNERT SICH; TEIL 14:

Der „Batscher“ treibt die Erbswurst runter…

Ein Teppichklopfer oder Bild 1 von 1: Ein Teppichklopfer oder "Batscher". Foto: Historisches Foto (1955), Nationaal Archief / Peike Reintjens

Utz Gernot Baitinger führt und entführt unsere Leser in der Reihe „Zeitreise ins Damals“ mit Anekdoten, kleinen Geschichten und persönlichen Erinnerungen regelmäßig in längst vergangene Zeiten und Orte des Fleckens.

Nach Kriegsende wurde Feuerbach zuerst von den Franzosen besetzt, dann kamen die Amerikaner und mit ihnen wurde vieles spürbar leichter, und doch herrschte noch Mangel an allen Ecken und Enden, etwa bei der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. In dieser Zeit stellte etwa eine "Erbswurst" schon ein wertvolles und reiches Mahl für die ganze Familie dar - und es war ganz egal, ob diese angebrannt war und mehr nach Ruß statt nach Erbsen schmeckte...

Im 14. Teil der Reihe erzählt der Feuerbacher Prof. Dr.-Ing. Utz Baitinger von seinen Erinnerungen an die Zeit direkt nach der "Stunde Null" in Feuerbach im Jahr 1945.

Mit dem "Batscher"...


In der sogenannten schlechten Zeit gleich nach dem Krieg hatte unsere Mutter eine Erbswurst ergattert, sogar ohne Lebensmittelmarken. In Wasser eingeweicht, konnte man Erbsenbrei daraus kochen, mit noch mehr Wasser Erbsensuppe. Diesmal sollte es Erbsenbrei geben. Je heißer er auf dem Herd wurde, desto kräftiger roch er nach Erbsen, bald roch er nach sehr heißen Erbsen und schließlich angebrannt. Trotzdem, wir setzten uns wie immer zum Essen an den Küchentisch.

„Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt,“ lautete Mutters Befehl an ihre zwei kleinen Söhne. Weil wir aber schon den Geruch des angebrannten Erbsenbreis ganz abscheulich fanden und nicht aßen, setzte sich unsere Mutter mit strenger Miene neben uns, in ihrer zierlichen Hand den drohend erhobenen Batscher, den von uns Kindern zu Recht so gefürchteten Teppichklopfer. Sie aß nichts, doch wir hatten die Wahl: entweder aßen wir den Erbsenbrei, denn wir hatten nichts anderes, oder wir bekamen mit dem Batscher den Bobbes voll, bis wir doch aßen.

Weil der große Bruder Vorbild sein muss, würgte ich den Schlunz hinunter. Sobald mein Teller leer war, übergab mir die Mutter die Befehlsgewalt. Nun musste ich mit hoch erhobenem Batscher am Tisch sitzen und meinen kleinen Bruder bedrohen. Weinend aß er den angebrannten Erbsenbrei. Da hat der arme Kerl mir leidgetan. Eigentlich hatte man die Erbswurst fürs Militär erfunden.


Von Utz Baitinger


Hier geht's zur Reihe "Zeitreise ins Damals" mit weiteren Erinnerungen & Anekdoten aus dem alten Flecken von Utz Gernot Baitinger

Veröffentlicht am 16.08.2026