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Keiner tanzt aus der Reihe: Trainerin Emma Schmid (hier mit Kleid im Vordergrund) ist wie der Rest der Familie Schmid begeistert vom Line Dance. Neben ihr geben auch ihr Mann Marc und Schwiegermutter Daniela Schmid (im Hintergrund) eine kleine Kostprobe ihres Könnens. Foto: Georg Friedel
Im Feuerbacher TanzSportZentrum treffen sich immer dienstags Frauen zum Line Dance. Emma Schmid unterrichtet dort seit drei Jahren den Kurs für Fortgeschrittene. Die passionierte Line-Dancerin geht auch bei Wettbewerben im Team, allein oder auch im Paartanz an den Start. Von Georg Friedel
Es ist Dienstagabend, etwa 19 Uhr. Aus einem Saal des TanzSportZentrums Stuttgart-Feuerbach am Triebweg 75 ertönen poppige Klänge. Gerade läuft Ed Sheeran. Danach ein Swing. Die Schrittfolgen sitzen: Alle zehn Frauen folgen einer Choreografie. In einer Pause füttert Tanzlehrerin Emma Schmid über ihr Smartphone die kleine röhrenförmige Lautsprecherbox in der Saalecke mit neuem musikalischem Material. Was dabei auffällt: Zu den Schrittfolgen passen neben Country-Klassikern auch Songs von Beyoncé oder Taylor Swift, sogar HipHop und Hardrock sind möglich. „Beim Line Dance gibt es keine Schubladen“, findet Schmid. „Nicht nur die Musik ist sehr variabel, auch die Tanzsportart als solche kennt viele Ausdrucksmöglichkeiten“, sagt die 24-Jährige. Sie bietet seit drei Jahren einen Kurs in Line Dance für Fortgeschrittene an. Davor finden zwei weitere Kurse für Einsteiger von Sylvia Scheerer an.
Dass Line Dance, für den man keinen Partner oder keine Partnerin braucht, derzeit in Tanzschulen und Tanzsportvereinen boomen, kommt nicht von ungefähr: „Beim Paartanz wie Standard oder Latein gibt es halt oft das Männerproblem. Viele Frauen suchen sich lieber Kurse aus, wo sie alleine hingehen und trotzdem in der Gruppe tanzen können“, erklärt Schmid. Offenbar schließt der Feuerbacher Tanzsportverein da eine wichtige Lücke. Der Bedarf an solchen Gruppentanzformen ist groß – gerade auch bei älteren Leuten oder auch bei eingeschworenen Singles: „Deshalb bieten wir Line Dance schon viele Jahre bei uns in Feuerbach an“, sagt Daniela Nottmeyer. Die Pressesprecherin und Breitensportwartin beim TanzSportZentrum betont, vor Emma Schmid hätten solche Kurse auch schon unter Leitung ihrer Schwägerin Julia und ihrer Schwiegermutter Daniela Schmid stattgefunden. Die Schmids aus Schwaikheim sind alle seit Jahrzehnten vernarrt in Line Dance, starten bei Wettbewerben auf der ganzen Welt. Aus der Reihe zu tanzen, ist bei ihnen keine Option.
Unterdessen hat sich die Gruppe im Saal 2 schon warm getanzt und richtig in Schwung gebracht. Emma Schmid schart die Gruppe immer mal wieder, wenn sie etwas erklären will, um sich. Line Dance ist in erster Linie ein Gruppentanz, bei dem mehr oder weniger komplizierte Schrittfolgen aneinandergereiht und zur Musik mehr oder minder synchron ausgeführt werden. „Man hat schon die Freiheit ein bisschen zu variieren, die Grundschritte sollten aber gleich sein“, erklärt Schmid. Oft sind es Achter-Rhythmen, aus dem die Line-Dance-Choreografien zusammengesetzt sind. Es gibt 90-Grad-Drehungen und Seitwärtsschritte. „Fest steht, dass es ein gutes Training fürs Gehirn, für die Balance und für die körperliche Fitness ist“, sagt die Line-Dance-Trainerin, die ursprünglich aus Starnberg stammt und dort über die Volkshochschule zum ersten Mal in Kontakt mit dieser Tanzsportart kam. „Im Alter von 5 Jahren durfte ich meine Schwester zu einem Line-Dance-Kurs begleiten, den die Mutter einer Schulfreundin von ihr gab. Nach diesem Kurs war ich sofort Feuer und Flamme und das Tanzen wurde zu meiner Leidenschaft“, erinnert sie sich.
Egal ob mit 8 oder erst mit 80 Jahren: „Die Schrittfolgen sind gut für Körper, Geist und Seele“, konstatiert Emma Schmid. Dass dem Line Dance immer wieder ein Cowboy-Image oder Western-Klischee untergeschoben wird, bei dem Leute in Schlangenlederstiefeln und mit Cowboyhüten zu Trinkliedern wie „Cotton Eye Joe“ über die Holzbohlen eines Heuschobers stampfen, passt nicht zur Realität: „Im Line Dance gibt es keine Schubladen, das macht gerade seinen Reiz aus“, setzt Schmid dagegen. Grenzen gebe es bei dieser Tanzform nur wenige: „Man kann Line Dance zu HipHop, aber auch zu Swing, Cha-Cha-Cha, Jive, Charleston, ja sogar zu Lindy Hop oder klassischer Walzer tanzen“, sagt sie. Wer ein echtes Line-Dance-Feeling auf der Leinwand erleben will, soll sich einfach „Footloose“ mit Kevin Bacon und Lori Singer oder noch besser das Remake von 2011 anschauen. Oder er schaut einfach mal dienstagabends bei einer Trainingsstunde im TanzSportZentrum am Sportpark in Feuerbach vorbei. Einen Cowboyhut trägt hier jedenfalls keine, eher Turnschuhe, T-Shirts, Jeans oder Jogginghosen.
Weitere Infos unter https://www.tsz-stuttgart.de/
Foto unten: Synchrone Schrittfolgen, die fit und fröhlich machen: Im Tanzsportzentrum Feuerbach finden immer Dienstags Kurse im Line Dance statt. Fotos: Georg Friedel
