Bebenhäuser Hof

Klagenfurter Straße 32-34

Bild 1 von 10: Ehemaliger Bebenhäuser Hof, rechts (Bild 1945: Archiv Rieker)Bild 2 von 10: Ehemaliger Bebenhäuser Hof, rechts (Bild 1945: Archiv Rieker)Bild 3 von 10: Ehemaliger Bebenhäuser Hof, rechts, in den 80er Jahren (Bild: Archiv Rieker) Bild 4 von 10: Ehemaliges Herrenhofgelände zwischen Stuttgarter Straße, Untere Querstraße, Dieterlestraße, Walterstraße und Feuerbacher-Tal-Straße (Karte: Archiv Rieker)Bild 5 von 10: Ehemaliges Herrenhofgelände (Skizze: G. Kleemann)Bild 6 von 10: Mittelalterlicher Besitz in Feuerbach (Diagramm 2013: Arendt) - HINWEIS: Für eine grössere Darstellung bitte Link am Ende des Textes klicken!Bild 7 von 10: Klagenfurter Straße 32-34 (Bild 2013: Arendt)Bild 8 von 10: Klagenfurter Straße 34, Ansicht 1928 (Bild: Stadtarchiv)Bild 9 von 10: Lageplan 1928 Klagenfurter Straße 32-34 (Bild: Stadtarchiv)Bild 10 von 10: Lageplan 1948 (Bild: Stadtarchiv)

Bis 1938 hieß die heutige Klagenfurter Straße noch Marktstraße, noch im 19.Jahrhundert nannte man sie Zwerchgasse.

Vor dem Bau der Burg Frauenberg in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts befand sich der Herrenhof (Besitz der Dorfherren) innerhalb des Feuerbacher Etters (Bild 5), zwischen der Unteren Querstraße und der Walterstraße (Bilder 4 und 5). Wer waren nun in dieser Zeit die Dorfherren? Durch eine Schenkung des Grafen Adalbert II. von Calw (†1099) erhielt im Jahre 1075 das Kloster Hirsau  „die Hälfte seiner Feuer­bacher Eigenkirche (Kirchgebäude und Inventar, Pfarrhof, Grundbesitz mit Hintersassen, Allmendanteile, Zehntrechte, Gebühren und Einkünfte)“ wie die Urkunde „Codex Hirsaugiensis“ bestätigt.  Darin enthalten war wohl auch die Hälfte des Kirchensatzes. Die andere Hälfte blieb zunächst im Besitz der Calwer Grafen, im Jahre 1132 aber hatte sich das Kloster Hirsau dann den gesamten Besitz gesichert. In Laufe dieser Zeit wurde für die Verwaltung dieser Güter das Haus in der heutigen Klagenfurter Straße 32-34 (nach Karl Müller „die Keimzelle Feuerbachs“) als Herrenhaus (Bild 1) genutzt, was erst aus einer Urkunde vom 9.April 1281 erkennbar ist: „Abt Craft (Craftho) und der Konvent des Klosters Hirsau verkaufen wegen drückender Schulden an das Kloster Bebenhausen ihren Hof zu Feuerbach (Fürbach), Selhofen genannt, dem das Patronatsrecht der Kirche zu Feuerbach (Fürbach) anhängt, sodann den sogenannten Heiligenhof (identisch mit dem Widumhof)…“ sowie einzeln aufgeführte Liegenschaften und Einkünfte. Der Selhof, auch Fronhof genannt, war „der  im Rahmen eines Hofverbandes (Villikation) das wirtschaftliche und herrschaftliche Zentrum; er wurde vom Herrn selbst oder einem Hofverwalter, dem sogenannten Meier bewirtschaftet.“ Der Selhof hatte also die Funktion eines Herrenhauses, welches nach Auffassung Gotthilf Kleemanns an diesem Standort bereits in den Jahrhunderten nach der Dorfgründung (um 500 n.Chr.) den Dorfherren als Wohnung gedient hätte; eine Quelle dazu wurde jedoch nicht genannt. Es muss deshalb offen bleiben, seit wann das Gebäude in der Klagenfurter Straße 32-34 (Bilder 1-3 und 7) oder sein Vorgänger an diesem Standort existiert und als Herrenhaus vom Besitzer oder von einem „Gefolgsmann“ als Dorfherr genutzt wurde.
Erwähnt werden sollte noch ein anderer vermuteter Standorthinweis von Stadtpfarrer Richard Kallee, dass die Dorfherren ihren Sitz auf dem Platz des heutigen Pfarrhauses gehabt hätten, er hat aber  ebenfalls nur die Qualität einer bloßen These und kann sich demnach, wenn überhaupt, nur auf die Zeit vor 1075 beziehen. Resümee der Annahmen und Vermutungen: Es bleibt deshalb die Frage unbeantwortet, in welcher Weise und an welchem Standort die Calwer ihre Feuerbacher Eigenkirche und den anhängenden Besitz oder andere Dorfherren vor 1075  ihren Herrenhof verwaltet haben.

Nach der Übernahme im Jahre 1281 ließ das Kloster Bebenhausen den ehemaligen Besitz des Klosters Hirsau in Feuerbach (dazu seinen bereits seit 1229 vorhandenen Besitz im Feuerbacher Tal) von einem Hofmeier namens Velchel bewirtschaften. Der Selhof erhielt den Namen „Bebenhäuser Hof“ (1330 als Pfleghof erwähnt) und war wohl dann entsprechend der vorausgegangenen Nutzung durch Kloster Hirsau auch das Herrenhaus des Klosters (Bilder 1 bis 3 und 7). Der übrige Besitz blieb im Zugriff der Dorfherren, bis 1481 insbesondere der Frauenberger Familien. Hinsichtlich der Herkunft der Frauenberger gibt es nur Vermutungen. Daran hat sich auch Reinhard Heinz beteiligt:  "Wo sie herkamen, kann heute niemand mehr sagen. Vermutlich waren sie der niedere Ortsadel im Dorfe Buwirbach gewesen und hatten dort, am Fuße des Berges, auf dem die Kirche steht, einen großen Herrenhof bewirtschaftet. Als alle Ritter in Sorge um ihre Sicherheit auf die Berge zogen und dort Burgen bauten, taten's die Feuerbacher Herren auch. Jetzt trugen sie plötzlich einen Namen, den bisher noch nie jemand zuvor gehört hatte. Sie nannten sich "von Frauenberg". Hans-Martin Decker-Hauff behauptet dagegen unbelegt, sie seien in den Jahren 1150 bis 1220 Ministeriale der Grafen von Baden gewesen.
Das durch die Urkunde von 1281 für das Kloster Bebenhausen rechtlich gesicherte Patronat wurde von den erstmals im Jahre 1247 in den Quellen erwähnten Frauenbergern (seit Mitte des 13.Jahrnunderts mit Sitz auf der Burg Frauenberg in Feuerbach) streitig gemacht, was dazu geführt hat, dass Albrecht von Frauenberg im Jahre 1300 und 1316 den Klosterhof (in diesem Falle identisch mit dem Sel- oder Fronhof) als Lehen auf Lebenszeit erhielt. Hierüber berichtet eine Urkunde, dass am 18.Oktober 1300 Albrecht von Frauenberg sein Seelgerät (Erbgüter) und das seiner Eltern dem Kloster Bebenhausen vermacht hat, um dagegen den „Bebenhäuser Hof“ auf Lebenszeit zu nutzen. Und gemäß einer anderen Urkunde erhält am 25.November 1316 Albrecht von Frauenberg zwei Höfe (Staehelinshof und Heinzen Gernoldshof) sowie vier Morgen Weingarten als Leiblehen, um im Gegenzug erneut auf seine Ansprüche am Kirchensatz (Patronatsrecht) zu verzichten.
Schon im Jahre 1337 sicherte sich Albrecht von Frauenberg den „Bebenhäuser Hof“ als Erblehen, und „gegen Mitte des 14.Jahrhunderts gingen Patronat, Widumhof und Zehntanteile in den Besitz der Herren von Frauenberg über.“  Allerdings bedeutet das nicht, dass das Kloster Bebenhausen seinen gesamten Besitz an die Frauenberger verlor. Seine restlichen Besitztümer in Feuerbach („ein Hof, Einzelgrundstücke, Gülten, Zinse und die Hälfte des Feuerbacher Zehnts) blieben dem Kloster Bebenhausen noch bis ins 16.Jahrhundert erhalten.
 
Die durch Erbteilungen verarmten Nachkommen der Frauenberger waren jedoch gezwungen, ihren Besitz und ihre  Herrschaftsrechte zu verkaufen. Erste Teile des Besitzes übernahmen bereits im Jahre 1392 die Grafen von Württemberg, und 1396 (urkundlich belegt) „veräußerte der Edelknecht Nikolaus von Frauenberg den Widumhof, den Kirchensatz und die Kirche zu Feuerbach mit den dazu gehörigen Zehntrechten an das weltliche Chorherrenstift in Sindelfingen, welches bis in das Jahr 1477 kirchliche Rechte und Einkünfte in Feuerbach hatte.“
Im Jahre 1413 verkaufte der Edelknecht Claus von Frauenberg das Lehen des Bebenhäuser Hofs an das Kloster Bebenhausen.
Im Laufe des 15.Jahrhunderts hatte die Herrschaft Württemberg die Hälfte des Dorfes Feuerbach und der Burg Frauenberger in Besitz, während sich die andere Hälfte die Vogtherren von Venningen und Schenk von Winterstetten teilten.
Nach Übereinkunft vom 20.Oktober 1481 war der noch verbliebene Besitz der Frauenberger Erben (Venningen, Winterstetten, Gültstein, Heusenstamm) an das Haus Württemberg übergegangen, wodurch sich auch die Verwaltung des Ortes änderte. Die Zehntscheuer (in der Unteren Querstraße 10 B), die vom Kloster Bebenhausen bzw. von der Kirchenverwaltung genutzt wurde, diente künftig als herrschaftliche Zehntscheuer, worin Naturalabgaben aller Art bis zur weiteren Verwendung gesammelt wurden. „Diese Zehntscheuer war größer und höher als die anderen Feuerbacher Scheuern.“  Im Jahre 1772 wurde sie umgebaut, 1889 ist sie abgebrannt und wurde notdürftig wieder aufgebaut. Im Jahre 1944 ist sie durch Bomben total zerstört worden.

Nach dem Erwerb aller “Rechte und Zugehörden“  im Jahre 1481 wurde dieser Besitz der Württemberger mit Ausnahme des Kirchenbesitzes der Tübinger Universitätspflege (der kirchliche Widumhof und der Kloster-Bebenhäuser Hof)  in verschiedene Lehenshöfe aufgeteilt und in Erbpacht an Hofmaier verliehen. Das Hofgericht hat 1484 ein Urteil darüber gefällt, dass die Gemeinde Feuerbach den steuerfreien Hof des Klosters Bebenhausen zur Kontribution beiziehen will.“
Das Bild 6 zeigt in einem übersichtlichen Diagramm die Veränderung der Besitzverhältnisse in Feuerbach zwischen den Jahren 1100 und 1500.
Im Jahre 1742 ist auch der Bebenhäuser Hof einer von vier Lehenshöfen. Zum Bebenhäuser Hof gehörende  Äcker waren noch bis ins 20.Jahrhundert  in der Verwaltung der königlichen Hofdomänenkammer und unter dem Namen Universitätsäcker bekannt.
Das Anwesen besteht seit dem 19.Jahrhundert in zwei Teilen, Klagenfurter Straße 32 und 34 (Bilder 1-3 und 7-10). Im Jahre 1905 wurde der Ökonom Jacob Haffner, dem bis 1899 noch die Farrenhaltung auferlegt war, als Eigentümer des Gebäudes Nr. 34 erwähnt, in den Jahren 1928/29 waren die Eigentümer für Nr. 32 der Arbeiter Gottlieb Laich und für Nr. 34 der Milchhändler Friedrich Kummer erwähnt.
Auch heute ist das ehemalige Herrenhaus „Bebenhäuser Hof“, welches schon längst sein früheres Aussehen durch Modernisierungen verloren hat, im Privatbesitz.

Quellen: Adreßbuch 1929, Chronik, R. Heinz, O. Hesse, R. Kallee, G. Kleemann, K. Müller, H.-U. Schwarz, Landesarchiv B-W, Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins (Band 15, 1863), WIKIPEDIA, Stadtarchiv


Zu Bild 6: Mittelalterlicher Besitz in Feuerbach
(grössere Ansicht, pdf-Datei)