Bracke

Hohewartstraße 195, früher: Walpenreute 4. 1.

Bild 1 von 6: Die „Bracke“ versteckt sich hinter den Bäumen (Bild 2012: Arendt)Bild 2 von 6: Zum reinen Wohnhaus gewandelt: Die „Bracke“ (Bild 2012: Arendt)Bild 3 von 6: Der „Brackeplatz“ an der Brunnensäule (Bild 2012: Arendt)Bild 4 von 6: Tafel 1 an der Wengert-Mauer (Bild 2013: Arendt)Bild 5 von 6: Tafel 2 an der Wengert-Mauer (Bild 2013: Arendt)Bild 6 von 6: Tafel 3 an der Wengert-Mauer Bild 2013: Arendt

Wenn im sommerlichen Juni auf der Streuobstwiese am oberen Ende der Hohewartstraße (Bild 3) das seit 1979 vom Wein-, Obst- und Gartenbauverein (WOGV) ausgerichtete sog. Brackefest gefeiert wird und das Jugendorchester des  Musikvereins Stadtorchester fesche Musik dazu aufspielt, gibt es von den Besuchern nicht mehr sehr viele, welche wissen, was sich hinter dem Namen Brack/Bracke verbirgt.
Im „Feuerbacher Adreßbuch 1929“ findet man unter der Adresse Walpenreute 4. 1. den Namen Eugen Brack, Eisengießer, Wirtschaft zur Hohen Warte. Hier war also -etwas abseits gelegen- in früherer Zeit ein Lokal geöffnet, welches vorwiegend von Garten- und Wengertbesitzern besucht wurde. Weil die Wirtin eine Frau namens Anna Brack Wwe. war, so sagte man einfach, „heute gehen wir zur Bracke“. Bekannt war vor allem der Sonntags-Frühschoppen.
Dazu wird aus der Chronik des Jahres 1916 eine kleine Begebenheit geschildert: „Der Hilfskreuzer „Möwe“ kehrte nach Versenkung einer Menge feindlicher Schiffe glücklich zurück. Unter der Mannschaft der „Möwe“, die ihre berühmte Fahrt machte, befand sich ein Bürgersohn von hier, der Matrose Eugen Brack, dessen Mutter die Wirtschaft zur „Hohen Warte“ im Besitz hat. Bald nach Rückkehr das Schiffes kam er hierher in Urlaub, und die Wirtschaftsräume waren häufig abends voll von Gästen, die Näheres von seinen abenteuerlichen Fahrten hören wollten.“ So war stets für Unterhaltung gesorgt.
Das Wirtshaus ist vor Jahren geschlossen worden, das Haus dient heute nur noch Wohnzwecken (Bilder 1 und 2).
Ein paar Schritte von der Bracke entfernt, an der rechten Seite der oberen Hohewartstraße in Richtung Feuerbach, sind in der Mauer des ehemaligen Weinbergs von Jakob Frauenpreis drei Tafeln aus den Steinen gehauen (Bilder 4 bis 6), sie haben folgende Texte:
Tafel 1: „Nicht nur in Büchern kann man es lesen sondern in Stein soll es gegraben sein.“ Ein stilisierter Finger weist auf die Tafel 2, deren schwer lesbarer, verwitterter Text wie folgt lautet: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Samen und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Das ist Gottes Wort.“ Die Tafel 3 trägt den Namen Jakob Frauenpreis, verbunden mit der Jahreszahl 1878, was die Auffassung nahelegt, dass es sich hierbei um die ältesten Weinberg-Steintafeln in Feuerbach handelt.
Der „Brackeplatz“ liegt am Rande der vor 2000 Jahren von römischen Soldaten frequentierten „Consularstraße“, welche von Pforzheim über Steinsträßle/Hohewartstraße und Stuttgarter Straße in Feuerbach zum Römerkastell nach Cannstatt führte.

Quellen: Chronik, Karl Müller, WOGV, MV

www.wogv.de
www.mvfeuerbach.de