Chemische Fabrik Hauff

Stuttgarter Straße 42-54

Bild 1 von 9: Hauff Fabrikhaupttor (Bild: Archiv Rieker)Bild 2 von 9: Die Firmen Roser und Hauff (im Hintergrund) 1898 (Bild: Archiv Rieker)Bild 3 von 9: Ehemalige Hauffsche Fabrik 1903 (Bild: Archiv Rieker)Bild 4 von 9: Hauff Betriebsgelände (Bild: Archiv Rieker)Bild 5 von 9: Standort der ehemaligen chemischen Farbik Hauff (Bild 2013: Arendt)Bild 6 von 9: Hauff-Filialen Föhrich und Mähderklinge (Karte: Jurisch)Bild 7 von 9: Hauff Filiale im Föhrich (Bild: Archiv Rieker)Bild 8 von 9: Hauff-Werbung (Bild: Archiv Rieker)Bild 9 von 9: Julius Hauff (Bild: Feuerbacher Geschichtsblätter)

Nachdem der „Pharmazeut“ Julius Hauff (Bild 9) als Teilhaber aus der Tübinger Gesellschaft für Schieferölfabrikation ausgetreten war, gründete er im Jahre 1870 in Feuerbach eine chemische Fabrik und siedelte sie östlich der als Grenze zwischen Wohn- und Industriebereich geltenden Sedanstraße (seit 1938 Leobener Straße) an (Bilder 1 bis 4). Seine Aktionen begann er zusammen mit zwei Arbeitern mit der „Extraktion von Putzlumpen“. Der eigentliche Anfangserfolg dieses Unternehmens in den 1870er Jahren basierte aber auf der Herstellung von reiner und farbloser Salizylsäure nach dem 1860 entdeckten und 1865 verbesserten Verfahren der sog. Kolbe-Schmitt-Reaktion. Nach der Produktionsreife im Jahre 1874 hatte Hauff dafür im Jahre 1876 die Lizenz für das entsprechende Patent von A.W.H. Kolbe (1818-1864) erworben. Die Firma Hauff, welche zu einer Größe von 190 Mitarbeitern wuchs, gehörte zu den chemischen Unternehmen, „welche neben Jobst, Lechler und Feuerlein infolge der hervorragenden Qualität ihrer Erzeugnisse eine glänzende Entwicklung erlebten und dadurch Feuerbachs Ruf als Industrieplatz begründeten“. So erwarb Hauff im Jahre 1892 diverse Patente für den Entwickler Metol, „welcher seinen Weltruf begründete“.
Als Mitglied der Mittwochsgesellschaft hatte Julius Hauff zusammen mit dem Unternehmer Carl Feuerlein die Gründung des Gewerbe- und Handelsvereins Feuerbach vorbereitet, welche am 5.März 1887 vollzogen wurde.
Aufgrund der inzwischen erreichten Bedeutung des Unternehmens wurde die chemische Fabrik im Jahre 1898 in J. Hauff & Co. GmbH umgewandelt.
Auf der „Photographischen Ausstellung“ 1899 in Stuttgart erhielt die Firma J. Hauff & Cie. die Goldene Medaille mit Ehrenurkunde.
Bei der Weltausstellung 1900 in Paris wurde Hauff für seine Patente für neuartige Entwickler (Adurol, Glycin, Amidor, Petol, Naol) mit einer silbernen Medaille ausgezeichnet.
Zur Herstellung von Pitraminsäure erhielt Hauff im Jahre 1902 von der Stadt Feuerbach eine Erlaubnis, unter der Voraussetzung, dass „die öffentliche Sicherheit dadurch nicht geschädigt wird“. Mit dieser amtlichen Auflage kam es zur Verlagerung der explosionsgefährdeten Stoffe in die „Pulverfabrik Mähderklinge“.
Im Jahre 1910 berichtete F.C. Huber als eine der wenigen Hauff-Quellen wie folgt über J. Hauff & Co.: „Die Firma fabriziert seit den 1880er Jahren vorzugsweise (Salze und Säuren für pharmazeutische Zwecke sowie) kristallisierte Karbolsäure, Salizylsäure und Salizynate, Pikrinsäure, Rhodansalze und Schwefelkohlenstoff, verlegt sich aber seit geraumer Zeit auch auf die Herstellung photographischer Präparate, Platten und Films sowie verschiedener Zwischenprodukte für die Farbstoff-Fabrikation.“

Hauff hatte im Jahre 1910 in der damaligen Rosenstraße ein größeres Grundstück zum Preis von 50.000 Mark erstanden. Obwohl es zu jener Zeit nicht üblich war, größere Komplexe für Werkswohnungen zu bauen, errichtete er auf diesem Areal vier villenähnliche Doppelwohnhäuser, um darin überwiegend seine Chemiker unterzubringen und sie an das Unternehmen zu binden.
Feuerbach entwickelte sich während des Ersten Weltkrieges zu einem renommierten Produktionsstandort für chemische Erzeugnisse für den Kriegsbedarf, insbesondere war es J. Hauff, welcher mit der für die Sprengstoffherstellung notwendigen Pikrinsäure sowie Fotoplatten und Filme für Fliegerzwecke bedeutende Beiträge leistete. Wegen der Explosionsgefahr durch einige chemische Produkte und aus Kapazitätsmangel eröffnete Hauff zwei Standorte außerhalb des Ortsbereichs in der Mähderklinge und 1901 im Föhrichwald  (Bilder 6 und 7), wohin er Teile der Produktion verlagerte.
Der Erfolg des Unternehmens ermöglichte Hauff auch soziale Leistungen. So stiftete er 1916 den überwiegenden Teil einer Kinderkrippe, welche von Pfarrer Kallee gegründet wurde.

Das Ende des Ersten Weltkrieges führte zu einer Umstrukturierung der Produktpalette. So konzentrierte man sich zunächst auf die Herstellung von Entwicklern und zahlreichen Chemikalien für den Fotobedarf sowie auf die Vervollkommnung von Trockenplatten und Filmen. Die bekannten Hauff-Platten (Bild 8) und Hauff-Filme eroberten den Weltmarkt.
Der 1889 in das väterliche Unternehmen eingetretene und später als Geschäftsführer agierende Sohn von Julius Hauff, Dr. chem. Fritz Hauff (1863-1935), der bereits 1914 zu den Millionären Württembergs zählte, legte 1928 sein Amt nieder und wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Er wohnte in der Gerokstraße 7 in Stuttgart.
Die zum Erhalt der Marktposition notwendige Verbreiterung des Fabrikationsprogramms wurde durch das Zusammengehen mit den Wandsbeker Leonar-Werken Arndt & Löwengard oHG und der daraus am 18.03.1929 resultierenden Gründung der Firma Hauff- Leonar AG erreicht, welche ihren Hauptsitz nach Hambung-Wandsbek verlegte. Die Zahl der Arbeitskräfte des Feuerbacher Werks schwankte zwischen 350 und 530. Bereits drei Jahre später, am 23.09.1932 änderte sich der Unternehmensname in Hauff AG Wandsbek.
Im Jahre 1950 wurde der in Feuerbach verbliebene und in den Bombennächten 1944/45 zerstörte Werksteil geschlossen und nach Vaihingen/Enz verlegt.

Auf dem ehemaligen Hauff-Gelände hat sich ein Verbrauchermarkt etabliert (Bild 5).


Quellen: A. Gieseler, Chronik Feuerbach, O. Häußler, O. Hesse, K. Müller, A. Wankmüller, Wikipedia