Werner-Haas-Haus

Klagenfurter Straße 57

Bild 1 von 2: Werner-Haas-Haus (Bild: Arendt)Bild 2 von 2: Werner Haas (Bild: Isolde Haas-Sautter)

Hier wohnte und musizierte der international bekannte Feuerbacher Pianist Werner Haas (1931-1976), dessen große internationale Karriere durch einen Verkehrsunfall jäh beendet wurde.

Werner Haas wurde am 3. März  1931 geboren. Er stammt aus einem überaus musikalischen Elternhaus. Seine Mutter, Martha Haas, war eine bekannte und beliebte Operetten- und Opernsängerin am Landestheater, der Vater, Meinrad Haas, von Haus aus Architekt, später aber Lehrer, war ein vorzüglicher Pianist und engagierte sich außerdem im Nebenberuf als Organist und Chorleiter für die katholische Kirchengemeinde.

Im Alter von vier Jahren erhielt Werner Haas vom Vater den ersten Klavierunterricht. Doch obwohl sich seine hervorragenden Anlagen von Anfang an zeigten, hatten die Eltern nichts weniger im Sinn, als ein Wunderkind heranzuzüchten. Werner Haas verbrachte, auch nach eigenem Bekunden, eine ganz normale und unbeschwerte Jugend in Feuerbach, die allerdings durch eine kriegsbedingte Evakuierung unterbrochen wurde. Er besuchte das heutige Leibniz-Gymnasium und war außerdem als Mitglied der Sportvereinigung Feuerbach ein sehr erfolgreicher Leichtathlet, der es sogar zu württembergischen Meisterehren brachte.
Nach der Mittleren Reife wandte er sich dann aber ganz der Musik zu. An der Stuttgarter Musikhochschule war er als jüngster Student Schüler der bekannten Klavierpädagogin Lilli Kröber-Asche. Die entscheidenden Impulse für seine künstlerische Laufbahn erhielt er darauf durch den Besuch der Meisterkurse von Walter Gieseking in Saarbrücken.
Am 1. November 1955 gab Werner Haas seinen ersten Klavierabend im Gustav-Siegle-Haus, der von der Kritik begeistert aufgenommen wurde. („Sein Spiel ist Poesie.“)
Noch triumphaler war sein Auftritt ein Vierteljahr später, als er am selben Ort , begleitet von den Stuttgarter Philharmonikern unter Hans Hörner, Tschaikowskys großes b-moll-Konzert spielte. Wer den Jubel damals erlebt hat, vergisst ihn nie.

Von nun an nahm eine große Karriere ihren Lauf.  Allerdings nicht, wie man es hätte erwarten können, in Deutschland, sondern vor allem in Frankreich. Hier feierte man Werner Haas als den legitimen Nachfolger Walter Giesekings, der in dem verwöhnten Klavierland sein Publikum vor allem mit mustergültigen Interpretationen Chopins, Debussys und Ravels begeisterte.Hier nahm er sofort und selbstverständlich einen Platz unter den großen Pianisten der Zeit ein. Von der Firma Philipps erhielt er einen Exklusivvertrag. Und es war Darius Milhaud persönlich, der ihm 1961 den Grand Prix du Disque für seine Einspielung des Gesamtwerks von Debussy überreichte.
Andere Preise folgten, ebenso Konzertreisen, die Werner Haas um die ganze Welt führten. In Deutschland jedoch - lag es an seiner sprichwörtlichen Bescheidenheit oder den schwer durchschaubaren Eigenheiten des Konzertbetriebs - blieb er eher ein Geheimtipp. Das ist wohl auch der Grund, weshalb man sich in Stuttgart nie richtig bewusst wurde, welcher Ausnahmekünstler hier lebte.

Dann kam es am 11. Oktober 1976 zu dem schrecklichen Unfall bei Nancy, der Werner Haas’ Leben jäh beendete. Auf die Nachricht hin änderte der Rundfunksender France Musique sein Programm. In Deutschland tat man sich mit Nachrufen und Ehrungen schwerer. Erst bei späteren Jahrestagen gedachten Rundfunk und Presse des Künstlers in gebührender Weise.
Das Andenken an Werner Haas wird durch ein umfangreiche Diskographie lebendig erhalten. Sein Grab befindet sich auf dem Feuerbacher Friedhof.

Eine der schönsten Würdigungen des Künstlers und Menschen Werner Haas stammt von dem Stuttgarter Kritiker Dieter Schorr:
„Wenn Werner Haas in seiner Heimatstadt Stuttgart auftritt, hat man das Gefühl, er komme von weither angereist, versenke sich in seinen Flügel und entschwinde wiederum zu fernen Zielen, ein Musiker, für den anscheinend nichts anderes existiert als das, was er spielt, ein Mensch, der nie Ellenbogen benutzt, sondern auf sein Können vertaut und vom Podium sofort wieder in den Hintergrund zurücktritt. Die Kunst dieses Pianisten trägt gleichsam das
Qualitätssiegel und bedarf keiner Superlative.“

Text: R. Albrecht


Literatur
Johannes B. Sautter: Werner Haas. Sein Spiel war Poesie. Leben und Wirken des Stuttgarter Meisterpianisten.
Stuttgart 2011. ISBN 978 -3-8423-2208-0


Das Werner-Haas-Haus ist mit einer Informationstafel ausgestattet.